Ganz ehrlich, diese Frage habe ich mir selbst schon mehrmals gestellt. Auf der einen Seite das Costa Rica, mit seinem Dschungel, den Brüllaffen, die einen morgens um fünf wecken, und Stränden, an denen Tukane einfach so über dir kreisen. Auf der anderen Seite das Périgord, im Südwesten Frankreichs, mit seinen Eichenwäldern, den ockerfarbenen Dörfern und einer Ruhe, die du in Mitteleuropa kaum noch findest. Beides sind Naturziele. Aber sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Und genau das macht den Vergleich so spannend.
Bevor ich tiefer reingehe, muss ich kurz was klarstellen. Ich habe das Costa Rica zweimal bereist, einmal drei Wochen, einmal fast einen Monat. Das Périgord kenne ich vor allem über Freunde, die dort regelmäßig Urlaub machen, in einem kleinen Landhaus, das sie über https://giteruralenperigord.com entdeckt haben. Und ja, ich war neidisch, als sie mir die Fotos zeigten. Diese Steinhäuser mit Lavendel davor, die Märkte am Sonntagmorgen, Foie gras und Walnussöl auf dem Frühstückstisch… das hat schon was. Aber ersetzt das ein Faultier im Baum ? Schwierige Frage, oder ?
Was das Costa Rica wirklich zu bieten hat
Das Costa Rica, das ist pura vida. Dieser Ausdruck wird dort wirklich ständig benutzt, und nach ein paar Tagen ertappst du dich dabei, ihn selbst zu sagen. Das Land ist klein, etwa so groß wie die Schweiz, aber es beherbergt rund 6 Prozent der weltweiten Artenvielfalt. Sechs Prozent. Auf einer Fläche, die du in zwei Tagen mit dem Auto durchqueren kannst. Verrückt.
Was mich persönlich am meisten beeindruckt hat, war die Region um Monteverde. Dieser Nebelwald, wo du buchstäblich in den Wolken läufst. Die Hängebrücken über den Baumkronen, die Kolibris, die wie kleine Edelsteine durch die Luft schießen. Und dann, ein paar Stunden weiter, die Pazifikküste, mit den Surfspots von Santa Teresa oder den Walen, die zwischen Juli und Oktober vor der Halbinsel Osa vorbeiziehen.
Aber es gibt auch Nachteile. Der Flug ist lang, mindestens 12 Stunden ab Europa, oft mit Umsteigen. Das Budget ist nicht ohne : rechne mit 80 bis 120 Euro pro Tag für eine durchschnittliche Reise. Und die Regenzeit, von Mai bis November, kann dir wirklich die Tour vermasseln, wenn du nicht flexibel bist.
Und das Périgord ? Eine Naturschönheit direkt vor der Haustür
Das Périgord ist eine ganz andere Geschichte. Kein Dschungel, keine exotischen Tiere, aber etwas, das mir mittlerweile fast genauso wertvoll erscheint : echte Ruhe. Diese Region in Nouvelle-Aquitaine besteht aus vier Teilen, dem Périgord Noir, Blanc, Vert und Pourpre, jeder mit seinem eigenen Charakter. Das Périgord Noir, mit Sarlat und der Dordogne, ist wohl das bekannteste, aber meine Freunde schwören auf das Périgord Vert, das viel weniger touristisch ist.
Was du dort findest ? Mittelalterliche Dörfer wie Domme oder La Roque-Gageac, die wirklich an den Felsen kleben. Höhlen mit prähistorischen Malereien (Lascaux IV ist wirklich beeindruckend, auch wenn es eine Nachbildung ist). Kanufahrten auf der Dordogne, mit den Burgen, die sich am Ufer aneinanderreihen. Und natürlich die Küche. Wahnsinn, was die da auf den Markttisch zaubern. Frische Trüffel im Winter, Erdbeeren im Frühling, Steinpilze im Herbst.
Der große Pluspunkt ? Wenn du in Deutschland wohnst, brauchst du je nach Region etwa 10 bis 14 Stunden mit dem Auto. Kein Jetlag, kein Langstreckenflug, kein CO2-Schock im Gewissen.
Welches Ziel für welche Art von Reisender ?
Hier kommt der ehrliche Teil. Ich glaube, die Wahl hängt wirklich davon ab, was du suchst. Möchtest du Abenteuer, exotische Tiere und Adrenalin? Dann Costa Rica, ohne zu zögern. Ziplines über dem Dschungel, Vulkane besteigen, mit Schildkröten an einem schwarzen Sandstrand schnorcheln, das findest du im Périgord halt nicht.
Aber wenn du Slow Travel, gutes Essen, Kultur und entspannte Natur willst, dann ist das Périgord vielleicht die klügere Wahl. Vor allem mit Kindern oder älteren Eltern, denen ein 12-Stunden-Flug zu viel wäre. Oder wenn du einfach mal einen Urlaub willst, ohne dauernd eine App für Impfungen, Visa und Mietwagen zu öffnen.
Und ich sag’s mal so : in Sachen Authentizität ist das Périgord auf eine ganz andere Weise stark. Im Costa Rica spürst du manchmal, dass alles auf Tourismus ausgerichtet ist. Im Périgord hingegen lebt das Dorfleben weiter, mit oder ohne dich. Die Bäckerei macht ihre Pains traditionellen, der Bauer verkauft seinen Käse, und niemand spricht extra Englisch für dich. Manche finden das anstrengend. Ich finde das schön.
Budget, Zeit, Saison : die nüchternen Fakten
Wenn wir mal kurz auf die Zahlen schauen. Eine zweiwöchige Reise ins Costa Rica für zwei Personen kostet schnell 3.500 bis 5.000 Euro, inklusive Flug, Mietwagen, Unterkünfte und Aktivitäten. Eine Woche Périgord in einem Ferienhaus liegt eher bei 800 bis 1.500 Euro für zwei, je nach Saison und Komfort.
Beste Reisezeit fürs Costa Rica ? Dezember bis April, das ist die Trockenzeit, aber auch die teuerste. Fürs Périgord ist Mai-Juni oder September traumhaft, weil die Hitze erträglich bleibt und die Touristenmassen weg sind. Im August kann es dort übrigens richtig voll werden, das sag ich dir aus zweiter Hand.
Mein Fazit, ohne Schnörkel
Soll ich dir die Wahrheit sagen ? Ich glaube, die beste Antwort lautet : beides. Aber nicht im selben Jahr. Wenn du das große Naturerlebnis suchst, einmal im Leben, vielleicht für einen Geburtstag oder einen besonderen Anlass, geh ins Costa Rica. Es wird dich verändern. Wirklich. Wenn du aber regelmäßig in der Natur sein willst, ohne dein Budget oder dein Gewissen zu sprengen, dann ist das Périgord eine Goldmine, die viele Deutsche völlig unterschätzen.
Und du, welches Naturziel zieht dich gerade mehr an ? Die Brüllaffen oder die Walnussbäume ? Schreib mir gern in den Kommentaren, ich lese alles und antworte fast immer.
